Revolution in Irland

In diesem Land, welches in Bezug auf den identitätsbildenden Stoff Whiskey viele Jahrzehnte hindurch wirklich gebeutelt war, findet im Moment eine Whiskey-Revolution statt. Lange gab es auf der grünen Insel nur zwei Destillen, welche unter dem Dach der Irish Distillers Group Whiskey produzierten.

 

Eine Vielzahl von Marken, wie z.B. John Jameson, Paddy, Redbreast, Green Spot und John Power kamen aus der modernen Zentralbrennerei in Midleton im County Cork im Süden der Republik Irland. Im königlich-britischen Norden im County Antrim wurde bei Old Bushmills in der 1784 gegründeten Destille Single Malt Whiskey produziert. Dies waren dann die bescheidenen Reste einer einstmals stolzen Whiskey-Industrie.
 
Auch in Irland gab es einmal ähnlich viele Brennereien wie in Schottland. Die Iren beanspruchen daher stolz das Recht für sich, als erste „Das Wasser des Lebens“ aus Getreide gebrannt zu haben. Mönche in Eire verstanden schon früh die Kunst des Brennens. Die Verwendung von Gerste ist aber erst für das Jahr 1556 belegt und eine erste offizielle Brenn-Lizenz stellte König James I. Im Jahre 1608 aus. Laut einem Gesetz von 1759 waren in Irland zur Herstellung von „Aqua Vitae“ neben Malz zwischenzeitlich auch Getreide und Kartoffeln erlaubt. Die Herrschenden verstanden es schon früh, mit einem Gesetz aus dem Jahre 1661 ihren Untertanen durch die Besteuerung des Whiskeys das Geld aus den Taschen zu ziehen. Von nun an wurde zwischen legalem Parlamentswhiskey und illegalem Poitin unterschieden. Die Bereitschaft der Iren, auf ihr Nationalgetränk Steuern zu bezahlen, hielt sich in überschaubaren Grenzen.
 
So wurde die Schwarzbrennerei zum Symbol des Aufbegehrens gegen die englische Fremdherrschaft und zu einer Massenbewegung. 1822 wurden auf der Insel neben 20 legalen Destillen über 800 illegale Brennanlagen gezählt oder vermutet.
 
 
Mit dem Exise Act von 1823 schaffte man es in Irland und auch in Schottland die Schwarzbrennerei etwas einzudämmen. Mit der Zahlung von 10 Pfund konnte man seine Brennblase mit einem Fassungsvermögen von über 160 Litern legalisieren. Außerdem kamen die englischen Steuerbehörden, welche in Irland das Sagen hatten, auf die komfortable Idee, den Ausgangsstoff zu besteuern. Diese Steuer auf Malz brachte dann einen wirklich irischen Whiskeytyp hervor. Denn die findigen Iren wollten Steuer sparen und ersetzten einen großen Teil der gemälzten Gerste durch ungemalzte Gerste und schufen so den unverwechselbaren Irish Pure Pott Still Whiskey.
 
Seine Blüte erreichte der fülligere irische Whiskey im 19. Jahrhundert. Aber mit der aufstrebenden Temperenzler-Bewegung, die gegen den „Teufel Alkohol“ zu Felde zog, zeichnete sich mit einem drastischen Kneipensterben schon ein Verfall ab. Dann verpassten die Iren auch noch eine wichtige technische Neuerung wie die Herstellung von Grain-Whiskey. Dieser wurde in Schottland mit Hilfe der vom Iren Aeneas Coffey erfundenen Coffey Stills billig hergestellt. Der einfache Grain wurde mit einem Schuss Malt aromatisiert und aufgehübscht. Und konnte nun als einladender Tropfen billig in alle Welt verkauft werden. Als die irischen Brenner aus ihrem Schlaf erwachten und auch auf Grain-Whiskey setzten, hatten die schottischen Verwandten schon viele wichtige Märkte erobert. Dann verloren die irischen Brenner, nach der Trennung vom Vereinigten Königreich, auch noch viele Kunden in Grossbritannien und seinen Kolonien. Der Todesstoß für die irische Whiskeyindustrie war dann aber die Prohibition in den USA. Danach führte der Whiskey von der Grünen Insel nur noch ein Dasein im Schatten der Vettern aus Schottland.
 
1966 waren nur noch vier Brennereien aktiv. In diesem Jahr schlossen sich dann Jameson, Powers und die Cork Distillers zur Irish Distillers Group (IDG) zusammen, um zu retten was noch zu retten war. 1970 schloss sich dann die einzige verbliebende Nordirische Destille Od Bushmills der Gruppe an. IDG errichtete dann im Jahre 1975 in Midleton eine Zentralbrennerei für die Republik Irland, in der dann alle Marken erzeugt wurden. Alle anderen Brennereien wurden stillgelegt oder wurden zu Museen.
 
Pernod Ricard erwarb 1987 die IDG und hatte scheinbar das Thema Irish Whiskey fest in der Hand. Ein Lichtblick war dann aber im gleichen Jahr die Gründung der Cooley Distillery in Riverstown an der Grenze zu Nordirland durch John Telling. Der Betrieb war zuvor eine staatliche Kartoffelschnapsbrennerei. Dies war für den irischen Whiskey ein wahrer Segen, denn Telling mischte mit seinem Freund Willie McCarter nun die irische Whiskeyindustrie auf und haucht ihr mit diesem Projekt neues Leben ein.
 
Bis zum Verkauf im Dezember 2011 an Jim Beam für 95 Mio. US Dollar galt Cooley als einzige unabhängige Brennerei auf der Insel. Aber der Trend zur Gründung von unabhängigen Destillen war nun nicht mehr aufzuhalten, denn im November 2012 ging auf der Halbinsel Dingle mit der Dingle Distillery eine neue unabhängige Brennerei an den Start und leitete somit eine kleine Whiskeyrevolution ein. Der erste eigene Whiskey wurde hier am 19.12.2015 abgefüllt. Hier an der Atlantikküste werden nun mit drei kupfernen Pott Stills Single Pott Still Whiskeys und Single Malts produziert. In der Folge machte das Beispiel Schule und im Moment schießen neue Whiskeyprojekte, Abfüller und Brennereineugründungen wie Pilze aus dem Boden.
 
 
In Skibereen, der inoffiziellen Hauptstadt von West Cork, hatten sich schon im Jahre 2007 drei Freunde zusammengetan, um Whiskey abzufüllen und dann auch zu brennen. Heute bieten die West Cork Distillers ein überzeugendes Sortiment an Blends und Single Malts an. Der Betrieb ist heute die einzige Destille, welche ihr eigenes Malz in Irland herstellt und zum Whiskeybrennen verwendet. Als Berater haben sich die die Whiskeymusketiere u.a. Dr. Barry Walsh, welcher fast 30 Jahre als Master Blender für Irish Distillers tätig war, und Frank McHardy, bekannt als ehemaliger Master Distiller bei Springbank in Campeltown mit ins Boot geholt.
 
 
Im Mai 2014 ging mit Glendalough die erste Craft Distillery ans Netz. Im Norden im County Derry in der Nähe von Londondery hält The Quiet Man Craft Distillery die Fahne hoch. Das Team füllt hier besondere Fässer ab. Die Fässer dafür wurden als New Makes in einer anderen Destillerie gekauft und in Londonderry in neuen First Fill Bourbon Fässern gelagert. Aktuell startet man hier mit der eigenen Destillation.
 
Ein sehr spannendes Projekt im Süden Irlands im County Tipperary ist die Tipperary Boutique Distillery. Die Destillerie wird auf dem Grundstück einer Farm gebaut, die einem der Miteigentümer gehört. Die Gerste für den Whiskey wächst bereits auf den Feldern. Die Eigentümer sind Stuart Nickerson, seine Tochter Jennifer Nickerson und ihr Verlobter Liam Ahearn. Stuart Nickerson hat bereits für viele große Destillerien in Schottland gearbeitet und ist bekannt als Berater im Bereich schottischer und irischer Whiskey.
 
Aber auch John Telling ist wieder aktiv und hat in Fortsetzung der Familientradition eine Brennerei in Dublin eröffnet. Es gibt sicher noch viele weitere Projekte wie Dubliner, Blackwater, The Temple Bar, Barr an Uisce, Uisce Beatha Irish Whiskey oder Rademon zu nennen, die im Moment Whiskeys und Liköre abfüllen oder erstklassigen Gin und Wodka produzieren um die Zeit bis zu ihrem ersten eigenen Whiskey zu überbrücken. Viele dieser spannenden Produkte gibt es in der Weinhandlung Schollenberger. Bei unserem Tasting zum St. Patricks Day am 17. März gibt es diese zu entdecken.
 
 
Frank Schollenberger