Neu im Regal: Thin Gin – Irish Dry Gin

29. September 2020 Flaschenpost
Kurz nach seinem Erscheinen im Jahre 2015 wurde Thin Gin schon zum besten irischen Gin bei den Irish Whiskey Awards gewählt. Ein Dry Gin, der mit floralen sowie Orangen- und Zitrusnoten im Vordergrund überzeugt und mich an Omas Parfüm Tosca erinnert. Tosca bekam ich auch immer an den Hals wen Oma meinte der Junge müsste gut riechen. Dabei war Tosca mit seiner Kopfnote von Bergamotte, Zitrone, Neroli, Orange doch für die Frau ab 50 gedacht und wurde so zu einem der erfolgreichsten Düfte und ähnlich häufig verkauft wie Chanel Nr. 5. Die nasale Begegnung mit dem irischen Thin Gin ist für mich so auch immer eine Reise in die Vergangenheit und Erinnerung an Großmutter. Thin Gin ist frisch und leckerer. Der Wacholder fügt sich wunderbar in ein Bett von Zitrus und floralen Noten ein. Benannt wurde der Gin aus Irland nach dem Amerikaner Isaac Thin.
Dieser lebte lange in Waterford und war ein Freund der Urgroßmutter der Gründerin der AnchorBlackwater Spirits Company in der von Wikingern gegründeten Küstenstadt.
Thin Gin ist ein fruchtiger und duftiger Gin, der Spass macht und besonders die unkonventionellen „Böse Buben und kessen Mädchen“ anspricht. Als Isaac Thin nirgendwo jenen exquisiten Gin finden konnte, den er in Paris während eines nachmittäglichen Tete-a-tete mit der Frau eines österreichischen Grafen genoss, beschloss er, seinen eigenen zu kreieren. Während er sich in Irland vor einigen rachsüchtigen Ehemännern verstecken musste, die ihm seine amourösen Abenteuer nachtrugen und an den Kragen wollten, nutzte er die Zeit in seinem Versteck und experimentierte unter Verwendung von Wacholder, Koriander, Zitrusschalen und irischen Strauchfrüchten um seinen Lieblingsgin nachzubauen. So entschied er sich dann für dreizehn Botanicals, eines für jede Frau, mit der er während seines kurzen Europa-Aufenthalts ein Liaison hatte.
Entstanden ist ein abgerundeter Gin, der sehr schmackhaft ist und durch seine Zitrusaromatik mit floralen Anspielungen von 13 destillierten Botanicals überzeugt. Unter Anderem sind Apfel, Rainfarn, Thymian, Beifuß, Holdunderblüte, Weißdornblüten, Orangenblüten, Melisse, Limette, Rotklee und Weißklee dabei.
Abgefüllt mit 40 % in einer schmucken Vierkantflasche lässt sich der Thin Gin gut mit oder ohne Eis pur trinken. Aber auch als Basis für einen extravaganten Gin & Tonic weiß der flüssige Ire zu gefallen.
Neben dem hoch bewerteten Gin werden bei Anchor Spirits im Granstown House Earlscourt auch noch Spike Island Spiced Rum und der legendäre Whiskeylikör Muldoon unter Verwendung von Honig und Nüssen hergestellt. Anchor hat sich dem Handwerk verschrieben und stellt heute neue Irische Spirituosen her. Diese basieren auf Tradtion, überlieferten Rezepten und Handwerkskunst und sind so Alternativen zu Massenprodukten aus automatisierten Fabriken.
Neben dem Thin Gin ist die Hafenstadt Waterford an der Ostküste auch die Heimat der Fahne der Irischen Republik. Diese wurde hier im Jahre 1848 am 9. März vom jungen Revolutionär Thomas Francis Meagher aus Waterford im ersten Stock des Wolfe Tone Clubs in der 33 The Mall gehisst. Diese Adresse beherbergt heute das Büro von Anchor Spirits. Einige Zeit davor weilte Meagher in Frankreich und wurde hier mit revolutionären Ideen infiziert. Hier entstand dann auch nach dem Vorbild der französischen die irische Trikolore und wurde von französischen Frauen in Grün, Weiß und Orange als Geschenk für den jungen Iren zusammen genäht. Dabei sollte das Grün und Orange für die irischen Katholiken und Protestanten stehen die in ihrem Land friedlich zusammen leben können.
Meagher ging später nach Amerika und wurde Gouverneur von Montana. Die irische Trikolore kam dann später dann doch noch zu großer Ehre und wurde 1942 die Fahne der irischen Republik.
Der Thin Gin aus der Fahnenstadt Waterford gilt heute als einer der besten Gins aus Irland.
Frank Schollenberger