Von Grog & Mecklenburger Punsch

12. Januar 2022   Frank Schollenberger
Flaschenpost

Von Grog & Mecklenburger Punsch


War eine Erkältung im Anmarsch oder man war nach einem Wintertag an der frischen Luft völlig durchgefroren, gab es von Oma oder Opa früher gerne einen steifen Grog, um gegenzusteuern und vorzubeugen. Auch heute ist ein heißer Rumgrog immer noch eines der angenehmsten Mittel, welches gegen eine Erkältung getrunken wird. Schon in alter Zeit wusste man um die gute und belebende Wirkung der heißen Mischung aus Rum, Wasser (bitte nicht so viel) und Zucker.


So galt Zucker doch lange als wertvolle Apothekerware und das Geheimnis der Destillation war den Heilern und Apothekern in Klöstern vorbehalten. Aber besonders dem Rum wurde und wird eine besondere heilende Wirkung nachgesagt. So wurden noch 1912 in der Central-Apotheke von Paris über 23.000 Liter Rum zu medizinischen und therapeutischen Zwecken verwendet. Dabei erwartete man vom Zuckerrohrdestillat, dass es nicht nur die Lebensgeister weckt, sondern auch die Verdauung befördert und bei Magen- und Darmmalesse hilft. Gerne wurde die karibische Medizin nach dem Essen oder morgens mit einem Stück Schwarzbrot verabreicht. Besonders wertvoll und beliebt war Rum auf  Schiffen, wo er zum Beispiel in der englischen Marine ab ca. 1655 bis 1970 in einer täglichen Ration, dem „Tot“, verabreicht wurde. Dies war in den Heuerverträgen festgelegt und wurde erst zum 31. Juli 1970 nach einer hitzigen Debatte im Parlament in London abgeschafft. Der letzte tägliche „Tot“ hatte ein Größe von einem 1/4 Pint. Schiffsärzte verwendeten Rum oder Rhum gerne innerlich und äußerlich bei unterschiedlichsten Krankheitsbildern. Hier kam er nicht nur bei Erkältungen und Magenerkrankungen zum Einsatz, er wurde auch als Betäubungsmittel bei Operationen, zum Einreiben und zum Desinfizieren verwendet. Es ist auch noch gar nicht so lange her, da empfahlen Ärzte in Norddeutschland der Küstenbevölkerung einen Grogtag einzulegen oder einen Grog als Schlummerpunsch einzunehmen.
Sogar am Hofe des Mecklenburger Herzogs in Güstrow wurde vom Medikus im 17. Jahrhundert Rum zu therapeutischen Zwecken verabreicht.
Der Grog und Punsch als Heißgetränk aus Rum, Wasser, Zucker und gerne auch mal Gewürzen und Fruchtsäften kommt klassisch aus dem angelsächsischen Raum. In anderen Regionen gibt es ähnliche Heißgetränke auf der Basis anderer Spirituosen wie Arrak, Brandy, Tequila oder Whisk(e)y. Die Version mit Whisky, Nelke und Zitronensaft ist als Hot Toddy bekannt.
Andere belebende Heißgetränke werden auch aus Rotwein oder Portwein hergestellt. Der Grog, so wie wir ihn heute kennen, verdankt seine Verbreitung in Norddeutschland den seemännischen Verbindungen nach Britannien. Hier schreibt man die Erfindung des Grogs der Legende nach dem englische Admiral Edward Vernon (1684–1757) zu. Dieser soll seinen Mannschaften nur noch Rum mit Wasser versetzt  im Verhältnis 1:4 ausgegeben haben. Der pure Ausschank von Rum an Seeleute und Marinesoldaten hatte sich in seinen Augen nicht bewährt, da der reine Alkohol zu Disziplinlosigkeit anstachelte. In der Folge wurde das Getränk auch gerne mit Zucker und Limettensaft aufgehübscht. Die Zitrusfrüchte wurden auf englischen Schiffen zur Skorbutprävention mitgeführt. Daher rührt die Bezeichnung Lemonheads für englische Seeleute. Auf deutschen Schiffen wurde dazu Sauerkraut eingesetzt. Daher stammt die Bezeichnung Krauts für die Deutschen, die ihnen ihre englischen seefahrenden Kollegen gaben. Im Grog oder Punsch hat sich das liebste Kraut der Deutschen dann wohl nicht bewährt. Der Spitzname Vernons wegen seines wärmenden und gern getragenen Umhangs aus Grogham war „Old Grog“. Dieser Name soll dann auf das neue Getränk von seinen Leuten übertragen worden sein. Im kalten Europa und im Norden wurde der Grog dann heiß getrunken. Auf Jamaika, dass seit 1655 englisch war, wurde die Rumproduktion aus Zuckerrohr zu einem Haupterwerbszweig der Plantagenbesitzer. Hochprozentiger Rum ist hier unverzichtbarer Bestandteil der Hausapotheke und hilft bei Erkältungen, Blessuren, Insektenstichen und Haarausfall. Alltagsgetränk ist hier Jamaicawine, eine Mischung oder Schorle aus weißem hochprozentigen Rum und Wasser.
Mit Beginn des 19. Jahrhunderts wurde der Grog durch den regen Handel mit dem Vereinigten Königreich auch in Norddeutschland populär. Ein Zentrum des Seehandels waren in der Mitte des 19. Jahrhunderts auch die Häfen an der mecklenburgischen und pommerschen Küste der Ostsee. Besonders Rostock profitierte von der wirtschaftlichen Entwicklung, der Öffnung der englischen Häfen für ausländische Schiffe und dem Bedarf an Frachtraum währen des Krimkrieges.
Das in Mecklenburg und Pommern produzierte Getreide war damals ein gefragtes Exportgut und wichtig zur Truppenversorgung. So besaß Rostock zu dieser Zeit die größte Handelsflotte im Ostseeraum und hatte enge Handelsbeziehungen auf die britische Insel. Dadurch kam zum Beispiel auch das Labskaus in seiner Urform von Liverpool nach Norddeutschland und der Grog wurde im Norden populär. Nicht selten fuhren englische Seeleute auch auf deutschen Schiffen und brachten Traditionen und Teile ihrer Lebensweise mit. So fanden auf dem Fischland und in der Region um Rostock englische Kaminhunde aus Porzellan Eingang in die häusliche Alltagskultur und schmückten Kaminsims und Fensterbrett in den Häusern der Seeleute. Rum und Grog wurden so auch ein Teil der norddeutschen Küstenidentität. 
Eine besondere Spielart des Grogs oder heißen Punsches ist der Mecklenburger Pusch. Hier wurde das Wasser durch Tee ersetzt und mit Zitrusfrüchten angereichert. Der Mecklenburger Pusch war nicht nur in seiner Heimat beliebt. Er erfreute sich auch im angelsächsischen Rum großer Beliebtheit und wurde zur flüssigen Legende.

Frank Schollenberger
Sommelier

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